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Dieser historischer Rückblick wurde von Kamerad Friedrich Steinke zusammengestellt, damit wurde zum 1. Mal der Versuch unternommen, die Geschichte der Wehr aufzuarbeiten. Kamerad Steinke  ist langjähriges, aktives Mitglied  unserer Wehr. Zum 75- jährigen Jubiläum im Jahre 1997   wurde auf einer Festveranstaltung am 11. Januar desselben Jahres, dieser historische  Zusammenschnitt vorgetragen. Er fand sehr großen Zuspruch innerhalb der Wehr und auch bei den Gästen.


Geschichtlicher Rückblick/
75 Jahre Freiwillige Feuerwehr Penzlin
Die menschliche Gesellschaft hat nicht nur durch Kriege und Naturkatastrophen, sondern auch durch  Brände und Brandkatastrophen menschliches Leid erfahren. Durch die menschliche Gesellschaft wurde aber auch viel unternommen, um Brände und den davon ausgehenden Gefahren entgegenzuwirken. Entsprechend der jeweiligen gesellschaftlichen Entwicklung und dem Stand der Technik wurden Gesetze und Verordnungen im Feuerlöschwesen erlassen und Erfindungen für die Brandbekämpfung genutzt. Aber auch Dichter und Denker haben den Weg für ein verbessertes, organisiertes Löschwesen geebnet. So rief z.B.:
Heinrich Heine in
,,Deutschland ein Wintermärchen" der Gesellschaft zu:
,,Baut Eure Häuser wieder auf und trocknet Eure Pfützen und schafft Euch bessere Gesetze an und bessere Feuerspritzen.
Es war dennoch ein langer Weg bis zur Bildung der ersten kommunalen Feuerwehren. In Deutschland entstand nach den bisherigen Überlieferungen die erste Freiwillige Feuerwehr 1841 in Meißen. Während in den Städten Waren und Neubrandenburg bereits vor der Jahrhundertwende Freiwillige Feuerwehren entstanden, wurde in der Stadt Penzlin die  Freiwillige Feuerwehr relativ spät ins Leben gerufen. Als im Jahr 1916 bei einem Großbrand mehrere Häuser zerstört wurden, mussten viele Bürger zusehen, wie ihr persönliches Hab und Gut den Flammen zum Opfer fiel. Eine Freiwillige Feuerwehr, wie sie heute bzw. wie sie bereits in anderen Städten vorhanden war, konnte nicht eingreifen. Im damaligen Land Mecklenburg gab es zu der Zeit noch kein einheitliches organisiertes Feuerlöschwesen. Eine Landesfeuerlöschverordnung für das Land Mecklenburg wurde erst im Jahre 1924 durch den mecklenburgischen Landtag verabschiedet.
Der Brand beim Zimmermeister Friedrich Schröder im Sommer 1921 ließ bei einigen Handwerkern den Gedanken aufkommen, eine Freiwillige Feuerwehr, wie bereits in anderen Städten vorhanden, auch in Penzlin ins Leben zu rufen.
Dieser Gedanke wurde zunächst in der Handwerkervereinigung vorgetragen und als zweckmäßig anerkannt. Die Bürger der Stadt Penzlin hatten Veranlassung selbst etwas zu unternehmen, um ihr persönliches Eigentum vor Bränden schützen zu können. Es war ein folgerichtiger Entschluss, als sich Penzliner Handwerker, Kaufleute, Gewerbetreibende und Ackerbürger am 08.Januar 1922 im "Seehof" zur Gründung der ,,Freiwilligen Feuerwehr" zusammengefunden haben.
Im Protokoll zur Gründungsversammlung der Freiwilligen Feuerwehr ist zu lesen:
,,In der am Sonntag, dem 08. Januar 1922 nachmittags 16.20 Uhr auf dem ,,Seehof" einberufenen öffentlichen Versammlung zwecks Gründung einer ,,Freiwilligen Feuerwehr", übernahm Herr Heynold den Vorsitz und begrüßte die aus Neubrandenburg von der dortigen Wehr erschienenen 4 Herren und die aus der Stadt sehr zahlreich erschienenen Einwohner".
Im Ergebnis der Gründungsversammlung haben sich 96 Herren als Mitglied der ,,Freiwilligen Feuerwehr" eingetragen, davon 65 als aktive Mitglieder. Der Wagenfabrikant Herr Gustav Briel wurde zum Branddirektor, der Maschineningenieur Scharlott zum Brandtmeister, der Maschinenbauer G. Schmock zum Gerätewart, Herr Heynold zum Kassenführer und Herr Dreyer jun. zum Schriftführer gewählt. Nach der Wahl des Vorstandes erfolgte die vorläufige Einteilung der Mannschaften in einen Steigerzug, Rettungszug sowie Pump- und Absperrmannschaften. Mit der Gründung der Wehr stand noch längst keine einsatzbereite Wehr zur Verfügung. Bekleidung, Geräte, Schlauchmaterial und vor allem eine Motorspritze mussten angeschafft werden. Doch woher das Geld? Deutschland steckte in einer Wirtschaftskrise, aus der Stadtkasse war mit keiner finanziellen Unterstützung zu rechnen. Die Wehr musste sich selbst finanzieren. Unter diesem Gesichtspunkt ist auch die hohe Mitgliederzahl verständlich, sie stieg innerhalb eines Monats auf 109 Mitglieder, davon 26 passive Mitglieder. Eine Mitgliederzahl von der wir heute nur träumen können. Die Mitgliederzahl ging im Laufe der Jahre zurück, wobei immer ein hoher Anteil passiver (aber zahlende) Mitglieder zur Wehr zählte. Zum Beispiel zählte im Januar 1932 die Wehr 37 aktive und 46 passive Mitglieder. Mai 1938 30 aktive, passive  nicht genannt.

Die Bedeutung der Penzliner ,,Freiwilligen Feuerwehr" wurde von den Gutsherren der umliegenden Dörfer sehr schnell erkannt. Unter der Bedingung, dass die Penzliner Wehr auch ihre Besitzungen im Falle eines Brandes schützt, erklärten sie sich bereit, den Kauf einer Motorspritze zu finanzieren. Durch die Gründung eines Motorspritzenverbandes im Jahre 1922 unter Vorsitz des Baron von Malzahn aus Peckatel, sicherten sich die Gutsherren das Mitspracherecht über den Einsatz der Motorspritze. (Es ist nicht eindeutig belegt, welche Gutsherren Mitglied des Motorspritzenverbandes waren). Die durchgeführten Übungen mit der Motorspritze in Peckatel, Klein Vielen, Groß Vielen, Zahren, Lübkow und Werder lassen die Schlussfolgerungen zu, dass diese Gutsherren dem Motorspritzenverband angehörten und dafür gesorgt haben, dass am 10.Dezember 1922 die Motorspritze auf dem Penzliner Bahnhof eintraf und eine große Einweihungsfeier stattfand. Die Unterstellung, für die die Stadt zuständig war, erfolgte im Stadtspeicher. Im Gründungsjahr 1922 und im darauf folgenden Jahr wurden vom Wehrvorstand sehr viele Aktivitäten unternommen, um die Einsatzbereitschaft und den Einsatzwert der Wehr zu erhöhen. Brandmeister Scharlott erkannte rechtzeitig, dass nur eine gut ausgebildete Wehr ihre Aufgaben erfüllen kann. Er unterrichtete die Mitglieder der  Wehr über Gefahren an der Einsatzstelle, zum taktischen Verhalten bei Keller-, Dachstuhl-, Scheunen-, Balken- und Dielenbränden bis hin zum Verhalten beim Einsatz von Fliegerbrandbomben. In der Penzliner Zeitung vom 20. Juli 1932 ist dazu u.a. zu lesen: ,,Ein weiteres Manöver (gemeint ist die Vorführung der Feuerwehr) brachte die Vorführung von Fliegerbrandbomben. Zu diesem Zweck hatte man ein kleines Bretterhäuschen errichtet. Die Entzündung einer aufgestellten Bombe zeigte, wie gefährlich diese Brandkörper sich auswirken können und wie schnell solche Feuer bringen. Diese Vorführung erregte bei allen Zuschauern das größte Interesse."
Völlig unzureichend war die Ausstattung und Alarmierung der Wehr. Durchgeführte Sammlungen im Januar und Februar 1922 erbrachten einen Grundkassenbestand von 8.000,-M. Um die Wehrkasse für den Kauf von Uniformen, Helmen, Beilen, Schlauchmaterial und Leitern zu verbessern, erhöhten sich die Beitragssätze für aktive Mitglieder von 25,-M, im Jahre 1922 auf 100,-M ; im Jahre 1923 und für passive Mitglieder von 50,-M auf 300,-M. Für den Kauf von 90 Uniformröcken, 60 Koppeln (Steigergurte) und 50 Helmen musste die stattliche Summe von 60.950,-M aufgebracht werden. (September 1922) Wie sparsam die finanziellen Mittel eingesetzt wurden, soll ein Beispiel belegen:
Im Protokoll der Generalversammlung vom 20.Januar 1923 ist u.a. zu lesen: ,,Die Entlohnung des Vereinsboten, Kam. Liftberg beträgt für das verflossene Jahr 200,-M; für das kommende Jahr wird er vom Beitrag 200,-M befreit und die Lieferung einer Radfahrlampe zugesichert. Für die Bereitstellung seines eigenen Fahrrades wird nichts vergütet." Der Kassenwart Kam. Heynold war aber auch sehr pfiffig und wusste wie man in der Zeit der Inflation das Geld der Wehrkasse einigermaßen stabil halten konnte, indem man Getreide kaufte. So wurde z.B. Anfang des Jahres 1923   1 Zentner Roggen für 5.900,-M gekauft Dieser Roggen wurde nach Einführung der Rentenmark wieder verkauft. Über den Erlös ist keine Aussage im Protokollbuch enthalten.

Eine Feuerwehr ist nur von Nutzen, wenn sie zum Einsatz gerufen werden kann. Seit der Gründung der ,,Freiwilligen Feuerwehr" stand die Frage der Alarmierung.  Bis zum heutigen Stand der Alarmierung über die Leitstelle mit funkgesteuerter Sirenenauslösung bzw. über Funkalarmempfänger vergingen 71 Jahre. 1922 erhielten die Kam. Münzel und Kalbe als Hornisten den Auftrag bei Feuer nach besten Kräften ins Horn zu blasen und so der weiteren Alarmierung, wie Sturmglocken, Pfeifen und Rufen behilflich zu sein. Im Oktober 1922 erklärt sich der Postmeister Schmeckebier im Interesse des allgemeinen Wohls bereit, den Unfallmeldedienst im Postamt zu übernehmen. 1923 wird das System der Alarmierung durch 19 Feuermeldestellen, die entsprechend gekennzeichnet und mit Signalhörnern ausgestattet waren, verbessert. Gleichzeitig wurden die beiden Zimmermeister ersucht, bei Feuer die Dampfpfeife ertönen zu lassen, um somit die in der Feldmark tätigen Kameraden und Fahrer mit Pferden zu alarmieren. Festgelegt wurden Signale für Feuer in der Stadt und über Land. Dieses System der Alarmierung funktionierte bis zur Anschaffung einer Sirene, Ende der dreißiger Jahre. Bis zum Bau eines zentralen Wasserversorgungsnetzes im Jahre 1937 war die Feuerwehr auf die in der Stadt vorhandenen offenen Wasserentnahmestellen angewiesen.
Unter Beachtung der Leistung der Motorspritze und der vorhandenen Schlauchleitungen erstellte Brandmeister Scharlott im Februar 1923 einen Angriffsplan für die Stadt Penzlin.
I. Wasserentnahme Stadtsee - Einsatzgrenzen Tierarzt Sauer Ackerbürger Land, Frisör Böttcher, Schweriner Hof, Glaser Rüsch, Alte und Neue Burg

II. Wasserentnahme E-Werke - Puchower Chaussee, Post, Bahnhof; Bahnhofstraße

III. Bahnabladestelle - Stavenhagener- Straße

IV. Bach Warener Chaussee - Scheunen Warener Chaussee

Bis zum ersten Einsatz am 30. Oktober 1923 - Schornsteinbrand Warener Chaussee bei Bernhard Petersen, wurden von der Wehr sehr viele Übungen in der Stadt und über Land durchgeführt, so zum Beispiel:
Groß Vielen (April 1923),

Jennyhof und Peckatel (Mai 1923), (Der Ort Jennyhof existiert heute nicht mehr, Anm. der Red.)

Klein Vielen, Zahren (Juni 1923),

Neuhof und Werder (August 1923)

Zur Übung Klein Vielen ist im Protokollbuch vermerkt:
,,Bei gutem Wetter rückte die Wehr Punkt 8 Uhr ab und war 10 Minuten vor 9 Uhr in Klein Vielen. Dort selbst wurde vom Parkteich bis zum Wirtschaftshaus (ca. 300 m) die Schlauchleitung in ca. 10 Minuten ausgelegt. Erfrischt durch belegte Brote und pro Mann eine Flasche Bier von Seiten Herrn Dittmers ging es um 9.40 Uhr weiter von Klein Vielen über Hartwigsdorf nach Zahren. In Zahren gab es zum Abschluss Kaffee und Kuchen."

Ihre erste große Bewährungsprobe hatte die Wehr im November 1923 beim Scheunenbrand in der Warener Chaussee zu bestehen.
Die Penzliner Zeitung berichtete dazu u.a. ,,Am Sonnabend 7 Uhr wurden wir in unserem sonst ruhigen Städtchen durch Feuerlärm und Signale der Feuerwehr erschreckt. Es brannten die Scheunen an der Warener Chaussee. Hier stand eine Scheunenreihe in hellen Flammen. Die Freiwillige Feuerwehr, die tatkräftig eingriff, konnte nur darauf bedacht sein, ein weiteres Vordringen des Feuers auf die gegenüberliegenden Schuppen des Spediteurs Wendt respektiv auf die in Verlängerung der brennenden Scheunen gelegene Scheune des Viehhändlers Gauck usw. zu verhindern." (1 Jahr später abgebrannt). Als im Jahre 1924, am 15.03, 01.11.1924 und 26.11.1924, mehrere Scheunen in Flammen aufgingen, gab es Kritik an der Arbeit der Wehr seitens der Penzliner Bevölkerung. Zum Scheunenbrand am 15.03.24 ist im Protokoll u.a. festgehalten:
Eine kleine Havarie an der Motorspritze verlangsamte zuerst das Wassergeben. Schnöde, gemeine Bemerkungen von Seiten gewisser Leute waren nicht zu überhören, sie sollen uns nicht hindern noch fester zusammenzuhalten."
Wesentlich härter trat die Gegnerschaft der Wehr beim Scheunenbrand am 26.11.24 (so genannte Pastorenscheune) in Erscheinung. In Auswertung des Brandes sind im Protokollbuch u.a. folgende Eintragungen enthalten:
,,Die örtliche Lage der Pastorenscheune stellte, um ein verheerendes Übergreifen des Feuers zu verhindern, die FFw vor eine große und schwierige Aufgabe. Und glänzend hat die FFw diese Aufgabe gelöst. Obgleich die Motorspritze anfangs wieder ihre Mucken zeigte und mancher Kamerad die Verzweiflung packen wollte, weil kein Wasser kam und das Feuer auf die Nachbargebäude übergreifen wollte. Da setzte auf dem Höhepunkt der Gefahr die Motorspritze voll und richtig ein. Gleichzeitig mit dem Kommen des Wassers flauten die schmutzigen Bemerkungen des Penzliner Pöbels ab."
An einer anderen Stelle heißt es:
,,Nur der Besonnenheit und Ruhe der Wehrleute ist es zu danken, dass Schlägereien u.a.m. vermieden werden konnten. "Es sind Bemerkungen gegenüber den Kameraden gefallen wie ,,halt die Schnauze, bekommst die...". Zur Abhilfe solcher Auftritte wird der Rat der Stadt aufgefordert, der FFw bei Ausbruch eines Feuers Polizeigewalt zu verleihen. Inwieweit der FFw Polizeigewalt verliehen wurde, ist nicht bekannt. Bemerkungen von Außenstehenden und Besserwissern gibt es nach wie vor.
Dennoch ging die FFw Penzlin ihren Weg, ihre Zuverlässigkeit und ihr Können hat die Wehr bis zum heutigen Tag bei vielen Einsätzen unter Beweis gestellt.

1925 wird auf der Grundlage der Landesfeuerlöschordnung eine Ortsfeuerlöschordnung erlassen. In ihr wird z.B. der Vorspanndienst für die Motorspritze bei Einsätzen und Übungen geregelt. Vorgesehen ist die Bildung eines Feuerlöschamtes. Die bisherige Bezeichnung Branddirektor entfällt, neue Einführung der Bezeichnung Wehrleiter und Stellvertreter.
Seit ihrer Gründung suchte die FFw Kontakt zu anderen Wehren. 1923 schloss sie sich dem Unterverband Mecklenburg/ Strelitzer Feuerwehren an. Dem Landesfeuerwehrverband schloss sich unsere Wehr erst 1991 an, die Absicht zum Beitritt gab es 1927 anlässlich des 32. Mecklenburgischen Feuerwehrverbandstages in Waren. Im Jahre 1936 wurde der Beitritt zum Landesfeuerwehrverband ausgesetzt, weil die Reichsfeuerlöschordnung angekündigt war.
Mit der Übergabe der Motorspritze am 10. Dezember 1922 wurde der Stadtspeicher als Feuerwehrdepot (Gerätehaus) genutzt. Seit diesem Zeitpunkt erfolgten, entsprechend dem Stand der Technik und der notwendigen Verbesserung der Arbeits- und Lebensbedingungen für die Wehr, Um- und Ausbauarbeiten am Stadtspeicher. Die erste große Erweiterung war der Anbau des Schlauchturmes, der am 24. März 1927 feierlich der Wehr übergeben wurde. Das setzte sich fort mit dem Ausbau einer Garage, Um- und Ausbau des Schulungsraumes, Sanitäranlagen, Ausbau TLF 16-Garage, Fußboden für LF 8-Garage bis zur Dacherneuerung im Jahre 1995/96. In vielen Fällen haben die Kameraden der Wehr selbst Hand angelegt, um die Unterstellung der Technik, sowie die Arbeits- und Lebensbedingungen zu verbessern.
Die Standardforderungen an ein Gerätehaus werden keineswegs erfüllt. Das betrifft sowohl Fragen des Unfallschutzes als auch Probleme der Arbeits- und Lebensqualität. Dennoch sind wir optimistisch, dass es mit dem Um- und Ausbau weiter geht; bis zum 100-jährigen Jubiläum sollte es nicht dauern.

Es ist nicht eindeutig bekannt, wann das erste Löschfahrzeug in Dienst gestellt worden ist. Nur soviel läßt sich sagen, es soll sich um ein, vom Tischlermeister Jörß. umgebauten LKW auf Mercedes Fahrgestell gehandelt haben, das als LF ,,Eigenbau Jörß" in die Geschichte der FFw eingegangen ist. Aus einem Protokoll vom November 1936 ist zu entnehmen, daß sich der Motorspritzenverband aufgelöst hat, die Motorspritze in Eigentum der Penzliner Wehr übergegangen ist, von 700 m Schlauchleitung nur noch 300 m brauchbar sind und der Verkauf der Motorspritze wegen zu erwartenden Reparaturkosten in Erwägung gezogen wurde. Daraus kann geschlussfolgert werden, dass 1937 das erste Löschfahrzeug ,,Eigenbau Jörß" in Dienst gestellt wurde. Damit hörte auch der Vorspanndienst der Pferdebesitzer auf.

Der Lauf der Geschichte ging weiter, mit dem Ausbruch des 2.Weltkrieges standen neue Aufgaben für die Wehr. Die FFw, personell geschwächt, hatte spezifische Aufgaben im Rahmen des Luftschutzes zu erfüllen. So kam z.B. die Penzliner Wehr nach einem Bombenangriff in Rostock zum Einsatz. Mit Ende des tausendjährigen Reiches stand auch die Freiwillige Feuerwehr vor einem Nichts. Das 1942 in Dienst gestellte Löschfahrzeug LF 8 Mercedes ist in den Kriegswirren abhanden gekommen. Wie überall in Deutschland gingen auch in Penzlin mutige Bürger an den Wiederaufbau der Freiwilligen Feuerwehr. Die Kameraden Vinser, Heynold, Schumacher, Kasch, Jörß , Bokalawski begannen in aufopferungsvoller Kleinarbeit mit dem Wiederaufbau der Wehr. Ein alter Ackerwagen, eine Tragkraftspritze, einige Schläuche und Geräte waren noch vorhanden. Mit der Festigung der antifaschistisch- demokratischen Ordnung begann auch ein neuer Aufschwung in der Wehr. Der Ackerwagen wurde im Jahr 1947 gegen einen geschlossenen Mannschaftswagen Hansa- Loyd ersetzt.
1955 erhielt die Wehr das erste typisierte Löschfahrzeug, ein LF-TS 8-Garant. Es folgten LF-Lkw

TS 8 STA K 30 (1961),
LF 16 S 4000 (1972), eingegangen in die Geschichte als alte Oma, KLF B 1000 (1980), LF 8 TS 8 STA Robur (1984), TLF 16 (1989), LF 8 Opel 1967 aus der Partnerstadt Otterndorf bis zum Vorausrüstwagen 1996.

Mit der Gründung der DDR 1949 erhielt das Brandschutzwesen eine feste staatliche Basis. Der Brandschutz wurde zum gesamtgesellschaftlichen Anliegen erklärt. Auf der Grundlage der erlassenen Verordnungen und Gesetze, insbesondere des Brandschutzgesetzes, vom 18. Jan. 1956 und 19. Dez. 1974, entwickelte sich die Penzliner Wehr von einer Stadtfeuerwehr zu einer zuverlässigen Stützpunktfeuerwehr. Das war kein geradliniger Weg. In den 60-er Jahren durchlief unsere Wehr eine Krise. Inaktivität zeichnete sich ab. Die noch willigen Kameraden waren dem Spott der Penzliner Bevölkerung ausgesetzt, weil das Löschfahrzeug unter Aufbringung aller Kräfte angeschoben, oder angeschleppt werden musste. Die Sirene heulte wiederholt auf ; um Kameraden zum Gerätehaus zu locken. Dieser Zustand, sowie der Brand auf dem Schröderplatz am Rosenmontag 1963, veranlasste die Stadtverwaltung auf der Grundlage des Brandschutzgesetzes eine Pflichtfeuerwehr zu bilden, um den abwehrenden Brandschutz im Stadtgebiet zu sichern. Laut Papier existierte die Pflichtfeuerwehr neben der Freiwilligen Feuerwehr bis Anfang der 70er Jahre.

1971 als es galt, in Auswertung des VIII. Parteitages in allen Bereichen der Wirtschaft und des gesellschaftlichen Lebens Masseninitiativen zu entwickeln, gelang es der Wehrleitung, mit Unterstützung des aktiven Kerns, der Stadtverwaltung, des Rates des Kreises und der Abteilung Feuerwehr des VPKA Waren, einen Aufschwung in der Tätigkeit der Wehr zu erreichen. Die Wehr hangelte sich mittels Kampfprogrammen, Aufrufe u. d. g. von einem gesellschaftlichen, oder politischen Höhepunkt zum anderen, bis zum 40. Jahrestag der Republik. Die Wehr stellte sich in den einzelnen Etappen der Masseninitiative anspruchsvolle Ziele, wie z.B. Erreichung der personellen Sollstärke, Gewinnung von weiblichen Angehörigen, hohe Dienstbeteiligung, verbesserte Wartung und Pflege der Technik, Verbesserung der Arbeits- und Lebensbedingungen im Gerätehaus u.a.m. Mit Unterstützung der Betriebe, insbesondere VEB K- Bau Waren, PGH Holzverarbeitung, PGH Pumpenbau und dem Rat der Stadt, gelang es innerhalb einer kurzen Zeit die personelle Sollstärke von 50, davon 7 Kameradinnen, zu erreichen. Das führte dazu, dass 1976 die Brandschutzgruppe gebildet wurde. Von ihr wurden jährlich 53 Betriebe, Einrichtungen und Objekte, ca. 400 Wohnungen, 3 Kindereinrichtungen kontrolliert, hinzu kamen zahlreiche Kontrollen zum Schutz der Ernte. Für ihre gute Arbeit wurde die Brandschutzgruppe 1986 auf Bezirksebene ausgezeichnet. Kamerad Ruhnke betreute die Arbeitsgemeinschaft ,,Junge Brandschutzhelfer" und errang bei Ausscheiden vordere Plätze. Von 1981 bis 1989 hat die Freiwillige Feuerwehr Penzlin erfolgreich ihren Titel ,,Vorbildliche Freiwillige Feuerwehr" verteidigt. 1987 wurden auch die Kriterien für die Leistungsstufe III erreicht. Am 31.10.1989 wurde der Freiwilligen Feuerwehr der Ehrenname ,,Wilhelm Scharff" (1. Bürgermeister der Stadt Penzlin nach dem 2. Weltkrieg, d. Red.) verliehen. In den 80-er Jahren hat die Wehr durch Ausbildungsmaßnahmen, durch Teilnahme an Übungen im Rahmen der Brandschutzeinheiten, durch die volle Auslastung der Ausbildungsplätze am ABK Anklam (Feuerwehrschule, d. Red.) ihren Einsatzwert erhöht. Ausdruck dafür sind solche erfolgreich gefahrenen Großeinsätze wie Schloss Puchow (Januar 1986), Rinderstall Groß Vielen (Februar 1988), Bergeraum Werder (Januar 1989), Wohnhaus Hirtenstraße (März 1993). Zu diesem Einsatz sei bemerkt, dass durch den taktisch richtigen Einsatz der Rohre, Penzlin von einem Großbrand verschont wurde, Kuhstallbrand Kruckow (Juni 1995) und Kirchturm Marihn (August 1996). Vom 01.01.1981 bis 31.12.1996 wurden von unserer Wehr 196 Einsätze gefahren. Hinzu kommen zahlreiche Übungen, Fehlalarme und böswillige Alarme. Nach der politischen Wende 1989 galt es, die Einsatzbereitschaft der Wehr zu erhalten und sie den veränderten Bedingungen anzupassen. Am 14.06.1990 stand auf der Tagesordnung der 2. Stadtverordnetenversammlung u.a. die Einsatzbereitschaft der Freiwilligen Feuerwehr und die sich für die Stadtverwaltung ergebenen Aufgaben zur Gewährleistung des Brandschutzes. Auf dieser 2. Sitzung wurden die Stadtverordneten umfassend über den Zustand der Wehr informiert und Vorschläge zur Fortsetzung der Arbeit innerhalb der Wehr unterbreitet. Im Ergebnis wurde die bestehende Wehrleitung mit der Fortführung der Amtsgeschäfte bis zur Neuwahl eines Wehrvorstandes beauftragt. Mit dieser Entscheidung war zunächst ein nahtloser Übergang gesichert. Ferner wurde der Wehr die finanzielle- und verwaltungstechnische Unterstützung zugesagt. Heute können wir sagen, dass das von den Stadtverordneten und von der Stadtverwaltung abgegebene Versprechen vom Grundsatz eingehalten wurde. Im Haushaltsplan der Stadt wurden die finanziellen Mittel für die Beschaffung der Ausrüstung, der Instandhaltung der Technik und des Gerätehauses, Aufwandsentschädigungen u.a.m. geplant und bereitgestellt. Zur Erfüllung der neuen Aufgaben, der technischen Hilfeleistungen und der Rettungseinsätze wurden unserer Wehr spezielle Geräte wie Ausrüstungen zugeführt (hydraulisches Rettung- und Bergegerät, Hebekissen). Neben der planmäßigen Ausbildung innerhalb der Wehr haben 14 Kameraden Lehrgänge an der Landesfeuerwehrschule absolviert. 1996 hat sich die Wehr von einigen inaktiven Kameraden getrennt.
Heute nach 75 Jahren, zählt unsere Wehr:
28 aktive Mitglieder, davon 4 Frauen, 4 Anwärter

- 6 Ehrenmitglieder
- 7 fördernde Mitglieder
Hinzu kommt eine Jugendfeuerwehr mit 16 Mitgliedern.


An Technik steht unserer Wehr zur Verfügung:

- 1TLF l6 W5O Bauj. 1985
- 1 LF 16 / 12  MAN  Bauj. 1999
- 1 LF 8 Opel Bauj. 1967
                                                                            - 1 Vorausrüstwagen FIAT- Ducato Bauj. 1996


Das Verhältnis zwischen Wehrleitung bzw. Wehrvorstand und der Stadtverwaltung spielte in der 75-jährigen Geschichte unserer Wehr immer eine besondere Rolle. Es war von Höhen und Tiefen gekennzeichnet. Im Protokoll der Jahreshauptversammlung vom 20. Jan. 1923 heißt es: "Stadtrat Wahls als Gast bekundet mit innigen Worten seine Freude an das Wachsen und Gedeihen der Wehr und widerlegt die Gerüchte, die Wissen und Glauben machen wollen, dass die Stadtverwaltung der Wehr nicht wohlwollend gegenüberstehe. Im Gegenteil, es sei alles nur Mögliche von Seiten der Stadtverwaltung getan worden und die Wehr könne getrost auch ferner auf ein weitgehendes Entgegenkommen rechnen. Innerhalb der letzten 15 Jahre gab es ein relativ gutes Verhältnis.

In den 75 Jahren wurde die Wehr durch die Kameraden Gustav Briel, Paul Scharloff, Brunkow, Hermann Schwarz, Robert Vinser, Willi Jörß, Erwin Bokalaswski, Siegfried Witt, Jürgen Dörschel, Gerhard Nickel, Fritz Möller, Karl-Heinz Thürk und jetzt durch den Kameraden Uwe Goldenbaum geleitet. Alle Wehrführer waren unter den jeweiligen konkreten Bedingungen bemüht die Wehr so zu führen, daß sie ihrer Aufgaben als Freiwillige Feuerwehr gerecht wurden, auch wenn einige vorzeitig das Handtuch geworfen haben.
Unsere Wehr hat alle Voraussetzungen, um auch in Zukunft ihre Aufgaben zu erfüllen.

Viel Verständnis für den Dienst in der Freiwilligen Feuerwehr bringen die Freundinnen, Ehefrauen oder auch Ehemänner bei unseren Kameradinnen auf. Aus Erfahrungen haben wir gelernt, hängt der Haussegen schief, ist es mit dem Dienst in der Wehr mies.
Unser besonderer Dank gilt am heutigen Abend unseren Ehefrauen.

Als Abschluss des geschichtlichen Abrisses, der keinen Anspruch auf Vollständigkeit hat, ein kleines Gedicht:

75 Jahre ist es her
als man schuf in Penzlin die Feuerwehr
und schaut man heute mal zurück,
so war es doch ein großes Glück,
daß man hat die Feuerwehr gegründet,
denn hat es irgendwo gezündet,
ist sie sogleich an Ort und Stelle
und schöpft aus der kleinsten Quelle
das Wasser auf die Feuersglut
und mit Verlaub bisher tat sie es gut.
Beim Löschen sind die Kameraden Superklasse,
doch auch beim Trinken große Asse,
denn wenn nirgends Brände schwelen,
beißt der Durst in den Kehlen,
drum freuen sich schon heute all‘, auf den Feuerwehrball.


Bildquellen

Festveranstaltung
Stadtspeicher
Hansa- Loyd
LF 16 S 4000
LF 8 TS 8 STA  Robur
Schröderplatz am Rosenmontag 1963
,,Wilhelm Scharff'"

 

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